Sind Ferienhäuser und -wohnungen in Deutschland auf dem Vormarsch – oder lässt der Trend nach? Ein Blick in aktuelle Studien zeigt: Während Kaufpreise in manchen Regionen leicht nachgeben, professionalisiert sich die Vermietung rasant und die Nachfrage bleibt hoch. Vor allem Küsten- und Alpenregionen sowie einzelne Städte verzeichnen einen spürbaren Schub bei Kurzzeitvermietungen.
Wie viele Menschen besitzen eine Zweitimmobilie?
Verlässliche amtliche Zahlen zu „Ferienimmobilien“ als Eigentum sind rar, denn Melderegister unterscheiden zwischen Haupt- und Nebenwohnungen, nicht aber nach Nutzungszweck (Ferien, Arbeit, Pendeln etc.). Eine belastbare Referenz ist daher die IfD-Allensbach-Erhebung, nach der im Jahr 2020 rund 1,26 Millionen Menschen in Deutschland ein Ferienhaus oder eine Ferienwohnung besaßen. Das entspricht etwa 1,5 % der Bevölkerung – Tendenz in den 2010ern steigend. Neuere repräsentative Totalen liegen öffentlich kaum vor.
Wie viele davon vermieten saisonal – und was kommt dabei heraus?
Für die Vermietungsseite liefert die aktuelle Marktstudie des Deutschen Ferienhausverbands (DFV, 2024) eine detaillierte Inventur: In Deutschland wurden 2022 555.111 Ferienunterkünfte vermietet, davon 454.793 Einheiten von Privatpersonen (unter 10 Betten) – also jenseits klassischer Hotels. 84 % dieser Privatunterkünfte werden selbst verwaltet und vermarktet.
Einnahmeseitig nennt die DFV-Studie durchschnittliche Jahresumsätze pro Einheit von
- 265 € bei selbstverwalteten Privatunterkünften,
- 921 € bei fremdverwalteten Privatunterkünften und
- 105 € bei gewerblichen Anbietern (mehr als 10 Betten).
Diese Werte sind Bruttoumsätze je Objekt und keine Eigentümer-Nettoeinkommen – sie variieren je nach Lage, Auslastung und Kostenstruktur.
Setzt man die gut 455.000 privat vermieteten Einheiten in Relation zu den 1,26 Mio. geschätzten Eigentümer:innen von Ferienimmobilien, ergibt sich grob, dass ein beträchtlicher Teil – größenordnungsmäßig rund ein Drittel – die Immobilie zumindest zeitweise touristisch nutzt. Dieser Vergleich ist methodisch nicht perfekt (unterschiedliche Grundgesamtheiten, Zweitwohnungen ≠ immer Ferienimmobilien), zeigt aber die Größenordnung der saisonalen Vermietungsneigung.
Boom-Regionen und -Städte
Regional ist das Vermietungsinventar klar fokussiert: Mecklenburg-Vorpommern (≈99.000 Einheiten), Schleswig-Holstein (≈97.000) und Bayern (≈92.000) führen die Rangliste an – Nord- und Ostsee sowie die Alpen bleiben die Zugpferde des Ferienwohnungsmarkts.
Auch Städte erleben punktuelle Nachfragerekorde. Airbnb listete zur Sommersaison 2024 u. a. Dortmund, München und Stuttgart als global trendende Reiseziele – ein Hinweis darauf, dass Event- und Städtereisen (Konzerte, Sport, Messen) Kurzzeitvermietungen in urbanen Lagen pushen.
Die amtliche Tourismusstatistik unterstreicht die Bedeutung des Segments: 95,2 Millionen Übernachtungen in Ferienhäusern und -wohnungen im Jahr 2023 – und damit ein kräftiger Anteil am Inlandstourismus.
Warum der Schub anhält – trotz Preisdelle
Mehrere Faktoren erklären den anhaltenden „Ferienwohnungs-Moment“:
- Nach-Covid-Reiseverhalten & Workation. Viele Haushalte bevorzugen flexible Unterkünfte mit Küche, Platz und Privatsphäre – ideal für Mehrgenerationen- oder Remote-Work-Aufenthalte. Die DFV-Zeitreihe zeigt zwischen 2014 und 2022 eine Verdreifachung privater Betten (≈682.000 → ≈2,13 Mio.).
- Professionalisierung & Tech. Preis- und Kanalmanagement, Self-Check-in, automatisierte Kommunikation und Ferienwohnung Software senken den Aufwand und heben die Auslastung – gerade bei selbstverwalteten Objekten. (Tipp: Wer mehrere Portale nutzt, koppelt Buchungskalender und Preise mit einem Airbnb Channel Manager.)
- Datenbasis & Regulierung. Die EU hat 2024 einheitliche Datenschnittstellen für Kurzzeitvermietungs-Plattformen auf den Weg gebracht; das erleichtert Kommunen das Monitoring und schafft Planbarkeit für Vermieter:innen.
- Preisanpassungen statt Einbruch. Nach Jahren starker Aufschläge gaben die Angebotspreise für Ferienwohnungen 2023 im Schnitt um ≈4 % nach – eine Normalisierung ohne Nachfrageeinbruch.
Aufwärts- oder Abwärtstrend?
Eigentum: Zur Zahl der Besitzenden fehlen frische, flächendeckend veröffentlichte Zeitreihen. Die letzte große IfD-Allensbach-Messung (2020: 1,26 Mio.) deutete auf Zuwachs in den 2010ern; seither wirken Gegenkräfte (Finanzierungskosten, strengere Regeln in Metropolen). Fazit: Seit 2022 eher Seitwärtsbewegung beim Erwerb – mit spürbarer Nachfrage in A-Lagen und wachsender Vorsicht in B- und C-Lagen.
Vermietung: Die Nutzung von Zweitimmobilien für Kurzzeitvermietung wächst weiter – belegt durch das hohe Inventar, die starke Stellung im Übernachtungsmarkt und Trendzieleffekte in Städten. Der Markt wirkt robust, professionalisiert sich und verteilt sich stärker jenseits klassischer Hotspots.
Praxis-Check für Eigentümer:innen
- Ertrag realistisch kalkulieren. Nehmen Sie die DFV-Bandbreite als groben Marktanker (≈12–15 Tsd. € Umsatz pro Objekt/Jahr) – Lage und Auslastung können das deutlich nach oben oder unten verschieben.
- Kalender & Preise sauber steuern. Ein Airbnb Channel Manager hilft, Doppelbuchungen zu vermeiden und dynamische Raten über mehrere Portale zu spielen.
- Digitale Basics aufsetzen. Von Buchungs-Engine bis Gästekommunikation: Moderne Ferienwohnung Software spart Zeit, erhöht Antwortraten und stützt Bewertungen.
- Regeln beachten. Städte wie Berlin, München & Co. haben Melde- und Zweckentfremdungsregeln – die neuen EU-Vorgaben sorgen zusätzlich für Datentransparenz.
Bottom line: Kein Einbruch, eher eine Reifephase. Zweitimmobilien bleiben begehrt – als Lebensstil-Asset und Einkommensbaustein. Wer professionell vermietet, gut digital aufstellt und lokale Vorgaben ernst nimmt, profitiert von stabiler Nachfrage in Deutschland, vom Wattenmeer bis in die Alpen – und punktuell auch in Städten, die 2024/25 zu „Überraschungs-Hotspots“ avancieren.
Mehr Lesen: Luca Kohlund





